In den letzten Wochen habe ich einem Video-Kurs mit dem Titel „Leadership, Menschenbild, Führen mit Herz“ erstellt, der bald auf meiner Website verfügbar sein wird. Darin erläutere ich sieben Aufmerksamkeitsfelder für Führung. Eines dieser sieben Felder betrifft Prozesse: Prozesse im Unternehmen, in der Organisation, in den Besprechungen.

Eigentlich ist alles, was wir tun, ein Prozess. Wir stehen auf, machen uns für die Arbeit fertig, bewegen uns mit Fahrrad, ÖPV oder Auto zur Arbeit hin, kommen an, richten uns ein, bereiten uns für die erste Besprechung vor, sitzen im Meeting, hören zu, reagieren oder sprechen proaktiv. Alles ist ein Prozess und verläuft in der Zeit.

Sind wir uns dessen eigentlich bewusst und ist uns klar, dass es einer bestimmten Denkweise bedarf, um die in der Zeit verlaufenden Dinge auch wirklich gut zu erfassen? Zum Beispiel in einer typischen Besprechung: Es sprechen immer wieder dieselben, die sonst auch viel sagen, und die anderen schweigen – auch immer dieselben. Als Teamleiter*In hatte ich mir doch vorgenommen, darauf besser zu achten und bei jedem wichtigen Punkt die Stillen gesondert aufzufordern, und die Lauten in ihrer Aktivität zu bremsen. Inzwischen tue ich es nicht mehr. Ich bin in die alte Gewohnheit zurückgefallen. Es ist bequemer so. Und die anderen scheinen das entweder nicht zu merken, oder dem stillschweigend zuzustimmen, weil sie ja auf diese Weise auch in ihren alten Verhaltensweisen verbleiben können.

Dieses Beispiel weist auf etwas hin, das wir alle gut kennen. Ich nehme mir etwas vor, halte es eine Weile lang durch, und falle dann jedoch wieder zurück in alte Verhaltensweisen. Nun spreche ich hier von Verhaltensweisen. Was hat das mit Denkweisen und Prozessorientierung zu tun?

Schauen wir noch einmal auf das Beispiel oben: Mit den eher Stillen und den eher Lauten und der Teamleitung, die das versucht hat zu ändern, aber es nun doch wieder so wie immer macht. Wie können andere Denkweisen und Prozessorientierung hier weiterhelfen?

Wenn ich das Wort Denkweise nutze, dann meine ich damit die Art und Weise wie ich im Zeitverlauf in dem Prozess gerade stehe: ob ich innerlich mitgehe, mit-denke, im Prozess wach bleibe, den Prozessverlauf mit seinen Eigenheiten wahrnehme und denkend verarbeite. Es erfordert eine andere Beweglichkeit im Denken, wenn das gelingen soll.

Normalerweise denken wir in Inhalten von A nach B oder haben ein Ergebnis in der Vorstellung und bemühen uns, die anderen davon zu überzeugen. Oder es gibt ein Problem, und ich frage mein Team, was die beste Lösung sein könnte. Wir sind auf Inhalte konzentriert. Wir suchen Lösungen für Probleme, allein oder gemeinsam. Dabei achten wir oftmals nicht genügend auf den Prozess und wie er verläuft.

Wenn ich stattdessen mit einer anderen Denkweise an den Prozess herangehe, kann ich mich fragen: wie muss ich hier wahrnehmen und denken, wie muss ich hier mit-fühlen, wie muss ich dem Prozessverlauf nachfühlen? Wie könnte ich den Prozessverlauf mit einem mehr fliessenden Denken verstehen und einordnen? Wie kann ich den Prozess besser, optimaler führen?
Dazu muss ich mein Denken flexibel gestalten. Ich muss auf mein Fühlen, auf mein Herz achten, während ich aktiv bin. Ich muss versuchen, mit dem Prozess innerlich zu verschmelzen, mit ihm mitfühlen, mit ihm eins werden, um ihn auf diese Weise besser führen zu können; besser, weil ich dann ‚mehr drin‘ bin.

Und mit dieser neuen Fähigkeit, dieser flexibleren Wahrnehmungs- und Denkweise, die sich ganz nah an den Prozess anschmiegt, bin ich auch in der Lage, nicht zu vergessen, was ich mir vorgenommen hatte (Beispiel oben). Ich bin präsenter, wacher, „voll dabei“ mit meinem Denken und Fühlen und steuere den Prozess dadurch viel bewusster und damit optimaler.

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