Was zeichnet erfolgreiche Teams aus? Während meiner Zeit als Fund Manager für Private-Equity-Investments bei der Triodos Bank und anschließend als Bankleiter, der für Kredite verantwortlich war, konnte ich viele Teams beobachten. Die erfolgreichen Teams gingen proaktiv mit ihren Konflikten und Andersartigkeiten um. Sie konnten sich schnell an veränderte Marktbedingungen anpassen.
In einem HBR-Artikel vom März 2023 mit dem Titel „How to Build a Superteam That Keeps Getting Better” werden weitere beachtenswerte Aspekte erfolgreicher Teams genannt.
Erfolgreiche Teams lernen schneller als andere. Wie schaffen sie das? Meine Beobachtung ist, dass Lernen und Entwicklung oft zu langsam oder gar nicht gelingen. Das liegt nicht nur an den Menschen. Oft sind es die Systeme, die internen Strukturen und Hierarchien, die man sich selbst geschaffen hat und aus denen man sich nur schwer lösen kann. Erfolgreiche Teams brechen Strukturen auf, wenn es notwendig ist, lernen schneller und setzen die neue Handlungsweise sofort um.
Erfolgreiche Teams experimentieren viel und leicht. Die Kultur und die Werte im Team sind so, dass Fehler als Lernmöglichkeiten erkannt und auch so behandelt werden. Fehler passieren überall. Das ist normal. Oft lernen Teams aber nicht genügend aus ihren Fehlern. Oft wird zu schnell zum Alltag übergegangen, anstatt sorgfältig zu analysieren, was aus Fehlern gelernt werden kann und wie das eigene Verhalten angepasst werden muss.
Erfolgreiche Teams arbeiten mit der Frage. Oftmals meinen Teamleiter:innen, dass sie auf alles eine Antwort haben müssten. Erfolgreiche Teamleitungen hingegen machen aus einer Frage einen Prozess und beziehen für die Lösungssuche die jeweils Betroffenen ein. Das machen erfolgreiche Teams auch ohne Teamleitung. Sie gehen von einem Problem zur Frage, zum Prozess, zu einer gemeinsamen Erkenntnis und zu angepassten Handlungsweisen – und das alles schnell in kurzen Besprechungen, bei denen nur die Betroffenen anwesend sind.
Erfolgreiche Teams stellen die richtigen Fragen. Die richtige Frage geht sofort auf das Problem ein. Sie kann zum Beispiel so lauten: „Was beschäftigt dich gerade?” Oder: „Wo stockt es gerade?” So kommt das aktuelle Problem sofort zur Sprache und kann wie folgt bearbeitet werden: Problem – Frage formulieren – gemeinsame Erkenntnis erarbeiten – gemeinsam Konsequenzen erarbeiten – diese umsetzen.
Für erfolgreiche Teams ist Feedback ein Segen. Feedback zu geben ist eine Kunst. Es sollte so gegeben werden, dass der andere sich gefördert und unterstützt fühlt. Dazu bedarf es gewaltfreier Kommunikation, der richtigen Worte und eines guten Blickes auf das Problem: nicht persönlich, sondern immer auf die Sache bezogen und den Kunden im Blick habend. Wenn ich sage: „So, wie du das machst, kann ich nichts damit anfangen“, dann schwächt das die andere Person. Wenn ich stattdessen sage: „Deinen Ansatz finde ich gut. Ich kann mir vorstellen, dass wir das so und so in den Prozess integrieren“, dann fördere ich die andere Person. Und genau darauf kommt es an. Manchmal muss man lange und gut darüber nachdenken, wie das Feedback gegeben werden soll, damit es stärkt und unterstützt. Hilfreich ist es, wenn die andere Person proaktiv um Feedback bittet.
Erfolgreiche Teams wissen, warum sie das tun, was sie tun, und für wen. Die gemeinsame und lebendige Pflege der Aufgabe, des „Warum” in Bezug auf jede Tätigkeit des Teams und der einzelnen Teammitglieder – also die Frage nach der Sinnhaftigkeit („Ist es wesentlich? Trägt es zur gemeinsamen Wertschöpfung bei?”) – ist ein wesentlicher Kraftquell erfolgreicher Teams. Dafür nimmt sich das erfolgreiche Team regelmäßig Zeit. Das kann wöchentlich in einer 15-minütigen Sequenz geschehen, in der ein Teammitglied einen Gedanken in 2–3 Minuten formuliert und das Team dann 10–12 Minuten lang einen kräftigenden Dialog darüber führt.
Erfolgreiche Teams haben eine gute Teamleitung. Eine gute Teamleitung sorgt dafür, dass die oben genannten Prozesse stattfinden. Sie ist aber auch in der Lage, ihre „Führung“ jederzeit abzugeben, wenn die Idee eines anderen Teammitglieds der Sache dienlicher ist. Man könnte dies als „lebendige Unterordnung“ bezeichnen. Es geht immer um die Sache. Egal, von wem etwas kommt: Wenn es der Sache dient, wird es umgesetzt.
Erfolgreiche Teams gehen gut mit Stress um. Sie wenden die Kohärenz-Techniken von HeartMath aktiv an. Jedes Teammitglied hat einen Inner-Balance-Sensor und übt damit täglich mindestens dreimal fünf Minuten lang (morgens, mittags und abends). So lernt man, die eigenen Emotionen, Gefühle und den Atem so zu regulieren, dass messbare Kohärenz zwischen Herz und Gehirn entsteht. Die Ausstrahlung auf andere verändert sich sofort. Besprechungen werden kürzer, da die Teammitglieder besser „bei sich“ sind und somit schneller das Wesentliche erfassen. Entscheidungen werden besser getroffen, das Immunsystem jedes Einzelnen ist gestärkt und die Resilienz des Teams ist verbessert. Auch die Kundenkontakte werden klarer, menschlicher und relevanter.
Herzliche Grüße
Alexander
Quellen u. a.:
HBR: Ron Friedman, „How to build a superteam that keeps getting better“
Add-Heart-Podcast von HeartMath: „Making better decisions under stress“. Accessing heart-coherence in life, work, and leadership.“ Deborah Rozman mit Amy VaaS.“

