Die Stimme des Herzens ist leise und oft übertönt durch Emotionen oder intellektuelle Überlegungen. Das Herz hat Zugang zur Zukunft. Bei wichtigen Entscheidungen sollte man auf die leise Stimme des Herzens hören, die von Ruhe, Klarheit und Unmittelbarkeit geprägt ist. Diese Stimme ist oft klarer als logische Überlegungen und kann durch Loslassen von Gedanken und Hineinhorchen in die eigene Gefühlswelt erkannt werden.
Wir können die Stimme des Herzens mit dem Gewissen in Verbindung bringen. Das Gewissen hat seinen Sitz im Herzen. Die Stimme des Gewissens ist auch meist leise – und man weiss, dass sie recht hat. Ich meine damit nicht das sogenannte schlechte Gewissen.
Novalis hat das Gewissen so beschrieben: “Es vertritt die Stelle Gottes auf Erden, und ist daher so Vielen das höchste und letzte.” (Novalis. Gesammelte Werke (p. 352). Kindle Edition. ).
Dem Gedanken folgend steht das Gewissen, das Herz, also für die Verbindung von Gott mit der Erde, von mir selbst mit dem Höheren, sei es das höhere Selbst, oder das Universum, oder die geistige Welt.
Das Herz als das Verbindungsglied zu einer höheren Welt – das wussten alle alten Mysterien (siehe u.a. Ole Martin Hoystad: Kulturgeschichte des Herzens von der Antike bis zur Gegenwart, Köln 2006).
Die Stimme des Herzens ist zu unterscheiden von eigenen Wunschvorstellungen, eigenen Triggern, einer gewissen Emotionalität die das Herz schneller schlagen lässt, und auch von mancher Überlegung, die vielleicht logisch richtig ist, aber doch noch nicht das widergibt, bei dem man das Gefühl hat, dass es richtig ist.
Die Stimme des Herzens ist leise, ruhig, mit einer gewissen Stille umgeben, klar und evident. Dabei sind der Körper und der Herzschlag ruhig und präsent.
Praktische Anwendung:
- In geschäftlichen Entscheidungen, z.B. Investitionen, Szenarienplanung, oder persönlichen Wendepunkten, sollte man zunächst alle Fakten sammeln und analysieren.
- Wenn man dann die Informationen bewusst loslässt, kann es gelingen, dass das Herz spricht, dass einem auf einmal klar und evident ist, welcher Schritt als nächstes der richtige ist.
Ich kann auf manche Fehlentscheidung zurückblicken und wusste doch eigentlich schon beim ersten Eindruck, was richtig gewesen wäre. In diesem Fall hat das Herz sich bereits beim ersten Eindruck klar ausgedrückt.
Ein wichtiges Kriterium der Unterscheidung, ob das Herz spricht, oder etwas anderes, ist nach meiner Erfahrung die Ruhe, Klarheit und Evidenz, die dabei erlebbar ist. Das geht nur, wenn man selber auch ruhig ist. Sonst wird die leise Stimme des Herzens u.U. von Emotion, Angst, Aufregung, Aggression überschattet.
Selbstverständlich bleibe ich frei zu entscheiden, ob ich der Evidenz des Herzens folgen möchte oder nicht. Es gibt manchmal gute Gründe, das auch nicht zu tun, oder vielleicht erst später, zum Beispiel nach einigen Jahren.
So kann das Herz zu einer stillen, aber sehr präzisen Intuitionsquelle werden, die Zugang zu zukünftigen Entwicklungen und zu einer tieferen, fast spirituellen Erkenntnis liefert. Wer lernt, das leise innere Signal von den lauten, rationalen oder emotionalen Stimmen zu unterscheiden, der kann fundiertere Entscheidungen treffen – sowohl im Berufs- als auch im Privatleben.

