Erinnerung und Präsenz

Kürzlich bin ich gefragt worden, wie man seine Erinnerungsfähigkeit verbessern kann. Der Kontext waren Besprechungen, einzeln und in Teams, oder Gruppen. Ich habe dann etwas recherchiert und viele Methoden gefunden, wie man Notizen machen kann. Ich selber mache es meist mit der Hand, nutze aber auch den Laptop, indem ich in Besprechungen – manchmal fast wörtlich – mitschreibe. Das Notizbuch, in dem ich mit der Hand schreibe, nutze ich vor allem zur Reflexion, Nachdenken, Nachgedanken, nächste Schritte. Bei sehr persönlichen Gesprächen nutze ich ebenfalls das Notizbuch, weil ich zwischen „uns“ keine „Maschine“ haben möchte. 

Ab und zu – mit Erlaubnis der anderen – nehme ich ein Audio vom Gespräch auf und lasse mir davon das Transcript erstellen. Die KI erstellt mir dann eine Zusammenfassung davon. Es gibt inzwischen viele Apps, die das für einen erledigen. Bei vielen Besprechungen pro Tag ist das denke ich sehr hilfreich, weil man kann sich das nicht alles merken. Andererseits erlebe ich eine KI-Zusammenfassung zwar irgendwie faszinierend (die KI macht das toll), andererseits aber oberflächlich. Es geht schnell, ich lege es ab, lese es kaum nochmal. Aber als Erinnerungshilfe kann es sehr dienlich sein. 

Ich denke, dass Erinnerung und Präsenz miteinander zusammenhängen. Je präsenter, bewusster, gegenwärtiger, ich in der Besprechung bin, desto besser erinnere ich mich daran, auch an die Einzelheiten. Auf jeden Fall sollte genügend Zeit sein, dass man sich nach einer Besprechung die wichtigsten Punkte sofort notiert. Denn wenn dann weitere Themen und Besprechungen im Verlauf des Tages dazukommen, wird es immer schwieriger, die Themen auseinanderzuhalten.

Wie kann man nun seine Erinnerungsfähigkeit stärken?

Dazu möchte ich drei Aspekte nennen:

Empathie, Interesse, Wärme

Ich höre mit Empathie, echtem Interesse, und menschlicher Wärme so gut zu wie möglich. Ich bin dabei sehr wach und voll bewusst. Ich nehme alles wahr, die andere Person, Gestik, Stimme, Hautfarbe, Inhalt, den Raum, die Farben, usw. 

Klarheit im Denken, mit dem Herzen dabei

Ich höre auf die Information und die Gefühle des anderen und verarbeite es mit meinem klaren, lichtvollen Denken. Das Denken ist hoch-aktiv und – um es bildlich auszudrücken – greift quasi nach den Inhalten und Wahrnehmungen. Dabei bin ich mit ganzem Herzen dabei. Das Denken wird Herz-Denken. 

Den Raum halten, Intention und nächste Schritte

Ich höre auf das, was die Person eigentlich will. Manchmal frage ich vielleicht nach: Was möchten Sie eigentlich? Ich bin so wach dabei, dass ich im Moment entscheide, ob nächste Schritte bereits dran sind, oder ob das zu früh ist und ich erstmal weiter nur hören möchte, den Raum halten möchte, die Person innerlich halten und tragen möchte.

Diese drei Aspekte, oder Tätigkeiten, macht man gleichzeitig. Je bewusster und wacher man bei der Sache ist, desto besser geht das.

Es hilft, wenn man vor dem Gespräch in Kohärenz geht. Das geht, indem man 1) mit dem Bewusstsein in die eigene Herzgegend geht, 2) dort etwas langsamer atmet, so wie es angenehm ist, und 3) ein angenehmes, wertschätzendes Gefühl aufruft. Man kann die Kohärenz z.B. mit Hilfe des Inner Balance Sensors von Heartmath mittels Biofeedback unmittelbar feststellen und überprüfen.

Oder man sammelt sich einfach vor einem Gespräch und nimmt sich vor, jetzt ganz wach, innerlich völlig ruhig und offen, zu sein. 

Herzliche Grüße 

Alexander Schwedeler