Warum „Führen“ mehr als nur Führung ist
Herzlich willkommen zu einer neuen Ausgabe meines Blogs und Newsletters Führen mit Herz. Der Titel mag auf den ersten Blick nach klassischer Team- oder Unternehmensführung klingen – doch das „Führen“ hier geht tiefer. Es beginnt mit der Selbstführung.
Wie kann ich andere führen, wenn ich mich selbst nicht kenne? Wie kann ich im Team für Klarheit sorgen, wenn in mir selbst Unruhe herrscht? Genau hier setzt die Erkenntnis an, die mich seit Langem beschäftigt: New Work braucht Inner Work.
Während über New Work, agile Führungsmodelle und Teamkultur viel geschrieben wird, bleibt der innere Raum oft unbeachtet. Doch gerade dort – in der Auseinandersetzung mit uns selbst – entsteht die echte Führungskraft: jene Sicherheit, die nicht von außen kommt, sondern aus dem tiefen Vertrauen in das eigene Ich.
Der Spiegel der Gemeinschaft: Wo das Selbst sich zeigt
Solange wir allein sind, können wir uns als ruhig, geduldig und weise wahrnehmen. Doch sobald wir in Beziehung treten – im Team, mit Kollegen, in der Familie – spiegeln uns andere unsere wahren Muster zurück. Was wir an anderen kritisieren, ist oft ein Hinweis auf ungeklärte Anteile in uns selbst.
Genau darin liegt die Chance: Die Gemeinschaft ist der Prüfstein der Selbstführung.
Beobachtung des Denkens: Ein Weg zur inneren Klarheit
In meinem letzten Podcast habe ich mich mit Michael Pollens Buch A World Apart beschäftigt, in dem er der Frage nachgeht: Wo ist das Bewusstsein? Am Ende seiner Suche sagt er: „Ich suche mein Ich – doch finde nur Gedanken, Gefühle und Wahrnehmungen.“ Doch paradoxerweise benutzt er dabei fünfmal das Wort „ich“.
Diese Spannung regt mich an. Denn wenn ich einen einfachen Gedanken beobachte – etwa: Ich gehe zur Tür, steige ins Auto und fahre zur Arbeit – erkenne ich etwas Fundamentales:
- Ich bin der, der denkt.
- Ich sehe die Bilder vor mir.
- Ich fühle, wie sich der Vorgang anfühlt.
- Ich entscheide, was ich in diesem Innenraum zulasse – und was nicht.
Das Denken ist nicht chaotisch, wenn ich es bewusst gestalte. Es ist vielmehr ein Raum, in dem ich voll präsent, kontrollierend und erlebend bin.
Die vier Elemente der inneren Führung
In diesem Prozess lassen sich vier zentrale Elemente erkennen:
| Element | Beschreibung | Bedeutung für die Führung |
| Das Ich | Der Beobachter, der denkt, fühlt und handelt. | Quelle der Identität und Verantwortung. |
| Der Wille | Die Energie, die den Gedanken antreibt. | Treiber für Entscheidungen und Handlungen. |
| Die Bilder | Innere Vorstellungen, die dem Denken Form geben. | Grundlage für Visionen und Planung. |
| Die Gefühle | Emotionen, die an Gedanken und Bilder geknüpft sind. | Wegweiser für Authentizität und Bedürfnisse. |
Dieser innere Raum – dieser Bewusstseinsraum – ist kein abstraktes Konstrukt. Er ist lebendig, erfahrbar und voll unter meiner Kontrolle.
Übung: Denken bewusst gestalten
Probieren Sie es aus:
- Wählen Sie einen einfachen Gedanken: Ich mache eine Pause, trinke einen Tee und atme tief durch.
- Stellen Sie sich die Schritte bildlich vor: Sehen Sie sich selbst, wie Sie aufstehen, den Tee zubereiten, sitzen, atmen.
- Beobachten Sie die Gefühle: Was entsteht? Erleichterung? Widerstand? Genuss?
- Fragen Sie sich: Wer beobachtet das alles? Wer ist der, der denkt, fühlt und sieht?
In diesem Moment berühren Sie Ihr Ich – nicht als Ego, sondern als Quelle innerer Sicherheit.
Das Ich ist da – man muss es nur erkennen
Die Selbstführung beginnt nicht mit Strategien, sondern mit der einfachen Frage: Wer bin ich, wenn ich denke, fühle und handle?
Michael Pollen findet das „Ich“ nicht – und benutzt es doch. Weil es da ist. Weil es der Urheber jedes Gedankens ist. Und weil es – wenn wir lernen, es zu erkennen – der feste Anker in einer unruhigen Welt wird.
Führen Sie sich selbst, dann führen Sie andere aus dem vollen Herzen.
Herzliche Grüße
Alexander Schwedeler

