Nicanor Perlas – ein Freund und Lehrer (English version see further down)
Am Donnerstag, 14. August 2025, ist mein Freund und Lehrer Nicanor Perlas über die Schwelle gegangen – für mich ganz unerwartet. Er hatte mir noch am Tag zuvor in einer familiären Angelegenheit mit großer Anteilnahme geschrieben. Ich möchte im Folgenden von einigen ganz persönlichen Erlebnissen und Begegnungen mit ihm erzählen.
Zuerst jedoch möchte ich auf die sehr schöne Würdigung von Gerald Häfner hinweisen (siehe hier: Nachruf von Gerald Häfner). Weitere Informationen über sein reiches Leben, seine vielfältigen Aktivitäten, seine über 500 Artikel, und vieles mehr, kann man auf Wikipedia und Facebook finden.
Ich lernte Nicanor im Jahre 2010 in Boston kennen. Dort fand die damals erste größere Fortbildung in TheoryU mit Otto und Katrin Scharmer statt. Wir waren 70 Teilnehmende aus vielen Ländern. Nicanor war einer der Vortragenden. Nachdem Otto den U-Prozess dargestellt hatte, trat Nicanor and die Tafel und malte schwungvoll einen Halbkreis nach oben zu – über dem nach unten gerichteten „U“. Er sagte ungefähr so: „Und dazu gehört dann der ganze Kosmos.“ Mich hat diese große, kosmisch anmutende Geste sehr beeindruckt.
Nicanor war ein Mensch, dem der Einzelne, sowie die gesamte Menschheit gleichermassen wichtig war. Er hat unglaublich viele Initiativen angestossen, gegründet, und weitergeführt. Wir hatten über die Jahre viel Austausch per Mail. Er lebte ja die letzten Jahre überwiegend in den Philippinen, seiner Heimat. Noch kürzlich schrieb er mir, was er alles tut. Ich schrieb bewundernd zurück und fasste seine hohe Aktivität im Wort „insane“ (wahnsinnig) zusammen. Da wir in unseren Begegnungen immer auch viel Spass hatten, hat er es gleich richtig verstanden und mir seine Aktivitäten im Einzelnen aufgezählt.
Zum Beispiel hat er bis zuletzt in der Mikrokreditbank LifeBank Foundation, deren Mitgründer und Chairman of the Board er war, hunderte von Mitarbeitenden in Organisations- und Führungsfragen unterstützt.
In den Jahren 2016/2017 durfte ich ihn bei uns zuhause einige Tage zu Gast haben. Wir stellten fest, dass wir bezüglich des Themas Künstliche Intelligenz (KI) die gleichen Bücher gelesen hatten (u.a. Our Final Invention vom James Barrat, Super-Intelligence von Nick Bostrom). Wir hatten auch die selben Filme gesehen, u.a. ExMachina und Transcendence, beide aus dem Jahr 2014. Wir waren über den Moment besorgt, in welchem die KI zur Super-Intelligenz wird. Unser Verständnis war, dass sie dann nicht mehr kontrollierbar sein wird, dass wir nicht mehr wissen können, wie sie reagieren wird. In den erwähnten, und manchen anderen Filmen wird der Moment, wo die KI sich verselbständigt, eindrucksvoll dargestellt.
Er hat mich dann angeregt, dazu ein Buch zu schreiben (Fully Human in the Age of AI, Deutsche Ausgabe: Die Mutige Führungskraft). Er selbst hat sein eigenes Buch dazu geschrieben (Humanity’s Last Stand, Deutsche Ausgabe: Künstliche Intelligenz – so können wir sie überleben).
In den Begegnungen war er immer voll präsent und in jeder Beziehung unterstützend und fördernd. Er konnte begeistern und anregen. Er konnte herzlich lachen – oft über „nichts“. Fast jede Idee wurde bei ihm gleich in die Tat umgesetzt. So entstand unter seiner Leitung ein kleiner Kreis, der sich mit dem Thema KI vertieft auseinandergesetzt hat. Wir hatten mit seiner Hilfe die Chance, die Gefahren der Super-Intelligenz frühzeitig zu erkennen.
In den vielen Gesprächen mit ihm ging es vielfach um das Wohl der Menschheit und des Kosmos und wie man es fördern kann. Er dachte immer groß. Einmal sagte er: Ich kann mit jedem Menschen sprechen, egal ob Präsident, Papst, oder CEO eines weltweit agierenden Unternehmens. Er war diesbezüglich völlig unerschrocken.
In unserem Mail-Austausch der letzten Zeit ging es auch um Fragen der inneren Schulung, der Geisteswissenschaft, und wie man bewusste Hellsichtigkeit erreichen könne. Wir hatten beide die Philosophie der Freiheit von Rudolf Seiner als eines unserer Lieblingsbücher oft und immer wieder gelesen. So konnten wir uns verständigen, wenn wir über Intuition und freien Willen sprachen.
Als ich ihn fragte, wie er denn in der Lage sei, in seinem relativ hohen Alter noch so viel („insane“) zu tun und zu leisten, erklärte er mir, dass dies nur möglich sei, weil er sich ganz in den Dienst der für ihn führenden geistigen Wesen stellte. Er bemühte sich täglich, sein Wirken in den Dienst Gottes zu stellen. Er schrieb auch, wie sehr er sich dem Sozial-Impuls der Templer verbunden fühlte, sowie auch dem Wirken von Franz von Assisi.
Ich fragte ihn dann, ob er für mich einen Rat hätte, worauf ich mich in den kommenden Jahren fokussieren solle. Er schrieb mir dann eine lange Mail – und gab keine Antwort. Stattdessen zeigte er mir den Prozess auf, mit Hilfe dessen er sich bemühte, sich selbst und sein Wirken in Einklang mit Gott und den guten Kräften im Kosmos zu bringen. So war er auch hier wieder zur Tat anregend. Er hat einen Prozess aufgezeigt, der für jeden Menschen möglich ist, den jeder Mensch gehen kann.
In Dankbarkeit und Verbundenheit.
Alexander Schwedeler
Nicanor Perlas – a friend and teacher
On Thursday, August 14, 2025, my friend and teacher Nicanor Perlas passed away – completely unexpectedly for me. He had written to me the day before with great sympathy about a family matter. I would like to share some very personal experiences and encounters I had with him.
First, however, I would like to refer you to the very beautiful tribute by Gerald Häfner (see here: Article by Gerald Haefner). Further information about his rich life, his diverse activities, his more than 500 articles, and much more can be found on Wikipedia and Facebook.
I met Nicanor in Boston in 2010. That was where the first major training course in Theory U with Otto and Katrin Scharmer took place. There were 70 participants from many countries. Nicanor was one of the speakers. After Otto had presented the U process, Nicanor stepped up to the board and drew a sweeping semicircle above the downward-pointing “U.” He said something like, “And that includes the entire cosmos.” I was very impressed by this grand, cosmic gesture.
Nicanor was a person who cared equally about individuals and humanity as a whole. He initiated, founded, and continued an incredible number of initiatives. We exchanged many emails over the years. He spent most of his last years in the Philippines, his homeland. Just recently, he wrote to me about everything he was doing. I wrote back admiringly and summed up his high level of activity with the word “insane.” Since we always had a lot of fun when we met, he understood immediately and listed his activities in detail.
For example, until recently, he supported hundreds of employees in organizational and management issues at the microcredit bank LifeBank Foundation, where he was co-founder and chairman of the board.
In 2016/2017, I had the pleasure of hosting him at our home for a few days. We discovered that we had read the same books on the subject of artificial intelligence (AI), including Our Final Invention by James Barrat and Superintelligence by Nick Bostrom. We had also seen the same films, including Ex Machina and Transcendence, both from 2014. We were concerned about the moment when AI would become super-intelligent. Our understanding was that it would then no longer be controllable, that we would no longer be able to know how it would react. In the films mentioned, and in some others, the moment when AI becomes independent is impressively portrayed.
He then inspired me to write a book on the subject (Fully Human in the Age of AI). He himself wrote his own book on the subject (Humanity’s Last Stand).
In our encounters, he was always fully present and supportive and encouraging in every way. He was inspiring and stimulating. He had a hearty laugh – often about “nothing.” Almost every idea was immediately put into practice. Under his leadership, a small circle of people formed who explored the topic of AI in depth. With his help, we had the opportunity to recognize the dangers of superintelligence at an early stage.
In our many conversations with him, we often discussed the well-being of humanity and the cosmos and how it can be promoted. He always thought big. He once said: “I can talk to anyone, whether they are the president, the pope, or the CEO of a global corporation.” He was completely fearless in this regard.
Our recent email exchanges also touched on questions of inner training, spiritual science, and how to achieve conscious clairvoyance. We had both read Rudolf Steiner’s Philosophy of Freedom, one of our favourite books, many times. This allowed us to understand each other when we talked about intuition and free will.
When I asked him how he was able to do and achieve so much (“insane”) at his relatively advanced age, he explained to me that this was only possible because he had placed himself entirely at the service of the spiritual beings who guided him. He strove daily to place his work in the service of God. He also wrote about how deeply he felt connected to the social impulse of the Templars and to the work of Francis of Assisi.
I then asked him if he had any advice for me on what I should focus on in the coming years. He wrote me a long email—and gave no answer. Instead, he showed me the process he used to bring himself and his work into harmony with God and the good forces in the cosmos. In this way, he once again inspired me to take action. He showed me a process that is possible for every human being, a process that every human being can follow.
With gratitude and in community.
Alexander Schwedeler

