Kennen Sie das auch? Beruflich wie privat scheint die Zeit ständig zu fehlen – für die Dinge, die uns eigentlich wichtig sind. Ich beobachte Teams, die monatelang keinen gemeinsamen Besprechungstermin finden, und gleichzeitig Organisationen, die in einer endlosen Meetingflut versinken, in der die Einzelnen gelangweilt am Handy hängen. Und dann gibt es Berufe wie die Pflege, in denen die praktische Tätigkeit keinen Aufschub duldet – das Bett muss jetzt gemacht, der Patient jetzt versorgt werden.
Aus all diesen Gesprächen – zuletzt mit einer erfahrenen Pflegefachfrau – ist eine Erkenntnis gereift, die ich mit Ihnen teilen möchte: Die Zeitfrage ist im Kern eine Bewusstseinsfrage. Nicht das Chaos, nicht die anderen, nicht die Welt sind schuld, dass uns die Zeit zerrinnt. Es ist ein Aufruf an uns selbst, anders mit den Momenten umzugehen.
Probieren Sie es einmal aus: Geben Sie sich mitten im Alltag innerlich einen Ruck. Plötzlich richten Sie sich auf, die Augen werden klar, ein leises Lächeln kommt – Sie sind wach, präsent, gegenwärtig. Verbinden Sie das mit der Herzübung, die ich aus meiner HeartMath-Arbeit immer wieder empfehle: etwas langsamer atmen, mit dem Bewusstsein in die Herzgegend gehen, dort ein- und ausatmen und ein Gefühl von Dankbarkeit, Wertschätzung oder ein schönes Erlebnis hinzufügen. Ein Sonnenuntergang, ein nettes Wort, ein Lächeln zwischen zwei Autofahrern – mehr braucht es nicht.
Diese kleinen Momente lassen sich überall einbauen: bevor Sie eine Patientenzimmertür öffnen, während Sie sich in der Besprechung kurz auf die Agenda hinunterbeugen und ein, zwei bewusste Atemzüge nehmen, oder – wie eine Rednerin, die mir das einmal erzählte – in den Sekunden, in denen Sie sich zur Tafel umdrehen und schreiben. Kleine Inseln der Präsenz mitten im Takt.
Wer mag, geht einen Schritt weiter und richtet sich morgens eine eigene Zeit ein. Ich kenne einen Abteilungsleiter mit großer Verantwortung, der sagt ganz ruhig: „Ich habe keinen Stress.” Sein Geheimnis: Er steht jeden Tag kurz nach fünf auf und nimmt sich anderthalb Stunden zum Meditieren, Lesen, Bei-sich-Sein. Ich selbst habe das nach einer persönlichen Krise für mich eingeführt und festgestellt: Mache ich es, wird der Tag gut. Mache ich es nicht, wird er es nicht. So einfach. Und es müssen nicht anderthalb Stunden sein – sechs oder zehn Minuten genügen für den Anfang. Dazu gehört allerdings, abends früher ins Bett zu gehen. Der Tiefschlaf vor Mitternacht ist es, der wirklich kräftigt – eine uralte Weisheit, die jede Smartwatch heute bestätigt.
Und noch ein Punkt, ganz ehrlich gesagt: Social Media. Ich war jahrelang täglich auf LinkedIn, zusätzlich auf Facebook – immer mit dem Gefühl, ich müsste wissen, was meine Kunden tun. Geblieben ist ein schales Nachgefühl: alle lächeln, alle sind toll, und ich? Irgendwann habe ich mich ausgeloggt. Vermisst habe ich es null. Echte Kundenbeziehungen entstehen ohnehin altmodisch – im Anruf, im Zoom, im persönlichen Gespräch. Überlegen Sie einmal ehrlich, wie viel Zeit Sie dort verbringen und was Sie wirklich daraus mitnehmen.
Mein Fazit für Sie: Sitzen Sie gerade, atmen Sie durch, nehmen Sie nicht nur nach vorne wahr, sondern rundherum – das ganze Team, den ganzen Raum. Wenn Sie wacher werden, wird der einzelne Moment voller, gefüllter, reicher. Und plötzlich dehnt sich die Zeit. Das Zeitproblem ist dann keines mehr.
Probieren Sie es aus. Ich freue mich, wenn Sie mir Ihre Erfahrungen zurückmelden – bis zum nächsten Mal.
Herzliche Grüße,
Ihr Alexander Schwedeler
Podcast-Host von Führen mit Herz

