Haben Sie sich schon einmal dabei ertappt, wie Sie in einem Konflikt gar nicht mehr richtig zuhören, sondern im Kopf bereits an Ihrer eigenen Verteidigung basteln?
In der neuesten Folge meines Podcasts widmen wir uns genau diesem Phänomen. Wenn zwei Menschen aneinandergeraten, sinkt die Qualität des Zuhörens drastisch. Wir sind so sehr damit beschäftigt, uns selbst zu erklären, dass der andere gar nicht mehr zu uns durchdringt.
Inspiriert von Otto Scharmers Theorie U, mit der ich seit meiner Masterclass im Jahr 2010-2012 in Coaching und Leadership Kursen arbeite, möchte ich Ihnen heute die vier Ebenen des Zuhörens vorstellen. Sie sind der Schlüssel, um Konflikte – ob im Business oder privat – nachhaltig und friedvoll zu lösen.
Die 4 Ebenen des Zuhörens
- Ebene 1: Das “Nicht-Zuhören”
Paradox, aber wahr: Auf dieser Ebene hören wir eigentlich gar nicht zu. Wir lassen unser Gegenüber zwar reden, warten aber innerlich nur auf die nächste Lücke, um unsere eigenen Gedanken und Assoziationen anzubringen. Es ist ein reines Senden von Selbstmitteilungen. - Ebene 2: Das informative Zuhören
Hier achten wir auf Daten, Fakten und Informationen. Diese Ebene nutzen wir im Arbeitsalltag ständig – bei Übergaben, im Projektmanagement oder in Jour-Fixe-Terminen. - Ein kurzer Praxis-Tipp am Rande: Hinterfragen Sie Ihre wöchentlichen 1-zu-1-Meetings. Oft kosten sie unnötig viel Zeit und fokussieren sich zu stark auf Sie als Führungskraft. Versuchen Sie stattdessen, mehr gruppenorientierte Prozesse zu schaffen, z.B. in wöchentlichen Team-Meetings, statt so viele Einzel-Meetings.
- Ebene 3: Das emotionale Zuhören
Jetzt wird es im Konfliktfall knifflig, denn wir müssen die eigenen Emotionen ausblenden und auf die Gefühle des anderen achten. Wie ist die Stimme? Verändert sich die Hautfarbe? Wirken die Augen leuchtend und voller Energie oder eher kalt und verschlossen? Um auf dieser Ebene zuzuhören, müssen wir lernen, mit dem Herzen zu hören und uns empathisch auf das Gegenüber einzulassen. - Ebene 4: Das intentionale Zuhören
Dies ist die wichtigste und tiefste Ebene. Hier stellen wir die Frage: Was will die andere Person eigentlich wirklich sagen?
Manchmal hilft es, aktiv nachzufragen, wenn man etwas nicht versteht: Was willst du eigentlich sagen? Oft braucht es aber auch einfach Zeit. Wenn Sie einen Konflikt ruhen lassen und “eine Nacht darüber schlafen”, entsteht emotionale Distanz. In dieser Ruhe können Sie erkennen, welche tieferen Bedürfnisse oder guten Absichten eigentlich hinter den Vorwürfen des anderen stecken.
Der wichtigste Impuls für Konflikte: Lassen Sie ein Türchen offen
Wenn es hart auf hart kommt und die Fronten verhärtet scheinen, versuchen Sie, die Diskussion nicht bis zum bitteren Ende auszukämpfen. Lassen Sie es ruhen. Aber vor allem: Lassen Sie in Ihrem Herzen ein kleines Türchen offen für den anderen.
Durch dieses Türchen kann die Erkenntnis eintreten, dass Ihr Gegenüber im Kern nichts Böses will. Wir lernen dabei auch viel über uns selbst. Eine bewährte Regel lautet: Alles, was ich am anderen kritisiere, spiegelt oft einen Teil von mir selbst wider.
Wer diese Reflexion zulässt, lernt sich selbst besser kennen. Und wer sich selbst besser kennt, kann sich selbst – und andere – besser führen.
Hören Sie sich die komplette Podcast-Folge an, um noch tiefer in dieses Thema einzutauchen und weitere wertvolle Impulse für Ihre persönliche und berufliche Entwicklung mitzunehmen.
Vielen Dank, dass Sie diese Newsletter und den Podcast verfolgen und somit Teil dieser gemeinsamen Suche nach besseren Wegen des Miteinanders sind!
Herzliche Grüße,
Alexander Schwedeler

